Design Thinking für mehr Bildungsgerechtigkeit

Design Thinking für mehr Bildungsgerechtigkeit

Die „Alte Maschinenhalle“ in Solingen erstrahlt im Sonnenschein. Die Architektur lässt erahnen, wie es hier vor Jahrzehnten aussah. Das ehemalige Dampfmaschinen- und das Kesselhaus wurden zwischen 1921 und 1923 erbaut. Während hier vor 100 Jahren noch Strom produziert wurde, versuchen wir es heute mit Ideen. Denn hier findet heute ein Design Thinking-Workshop zum Thema „Gleiche Bildungschancen für Alle! Was heißt das eigentlich?“ statt. Geladen haben die Wübben Stiftung und die Bezirksregierung Düsseldorf im Programm „impakt schulleitung digital“. Gekommen sind knapp 50 Personen aus Kultur, Verwaltung, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Schule.
Gemeinsam für ein Thema

Mit dabei ist zum Beispiel Prof. Dr. Tobias Bleek, Leiter des Education-Programms der Stiftung Klavierfestival-Ruhr:

Ich habe selbst lange mit Schulen zusammengearbeitet und mich begleitet die Thematik der Bildungsgerechtigkeit ebenfalls seit Langem. Aus beruflicher Perspektive haben wir zudem immer die Leitidee, kulturelle Bildung für alle zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund ist der Workshop eine ideale Gelegenheit, sich mit Menschen aus dem Bildungssystem auszutauschen und den eigenen Horizont zu erweitern.
Prof. Dr. Tobias Bleek
In der ersten Phase des Design Thinking-Prozesses lernen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennen, erste Ideen entstehen. Dazu Jörg Knüfken, Geschäftsführer des Vereins ChangeWriters:
Bildungsgerechtigkeit ist ein absolutes Schlüsselthema für unsere Gesellschaft und es gibt nur wenige Möglichkeiten, mit so vielen Akteuren des Bildungssystems direkt in den Austausch zu kommen.
Jörg Knüfken
Die einzelnen Phasen des Prozesses sind zeitlich eng getaktet und Moderatorin Nicole Wrana führt durch den Tag. Schnell bilden sich selbständig Rollen in den Gruppen. Die Zeitwächterinnen und Zeitwächter schauen auf die Uhr und halten die Gruppe an, die Aufgaben abzuschließen. Die Impulsgeberinnen und Impulsgeber eröffnen neue Denkanstöße und die Gestalterinnen und Gestalter schreiben mit und fassen das gemeinsam Erarbeitete zusammen.
Design Thinking im Kontext Schule ist neu
Melanie Dahl, die Social-Start-Ups bei der Team- und Organisationsentwicklung begleitet, kennt die Methode des Design Thinking, aber nicht im Kontext Schule.
Design Thinking stärkt lösungsorientiertes Denken, die Zusammenarbeit im Team und die eigene Kreativität. Kompetenzen die die Schülerinnen und Schüler für ihre Zukunft und ihren Weg in die Arbeitswelt brauchen. brauchen. Vielleicht setzt der Tag heute etwas in Bewegung und die ein oder andere Schule öffnet für Design Thinking ihre Türen.
Melanie Dahl

Das sind vier der zahlreichen Arbeitshypothesen, die im Prozess entstanden sind:

Hypothese 01
Bildungs­gerechtig­keit ist eine Chance, sich frei und unge­hindert ent­wickeln zu können.​
Hypothese 02
Bildungs­gerechtig­keit liegt nicht im Interesse des Systems.
Hypothese 03
Soziale Armut führt zu fehlender Selbst­wirksam­keit, zu „seelischem“ Hunger.
Hypothese 04
Bildung gelingt nur, wenn der Kontakt mit den Eltern auf Augenhöhe gelingt.

Gerade Schulen, die tagtäglich mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert werden und gemeinsam in einem multiprofessionellen Team Lösungen entwickeln müssen, können mit Design Thinking schulinterne Schulentwicklungsarbeit anstoßen. Die selbstständige Business-Coachin Katja Prott-Riecken betont mit Blick auf den Design Thinking Prozess in Solingen unter welchen Rahmenbedingungen die Arbeitsmethode am fruchtbarsten sein kann. 

Sofern die Abläufe und einzelnen Arbeitsphasen gut moderiert und organisiert sind, lassen sich mit der Methode komplexe Zusammenhänge greifbar machen. Das ist hier heute bisher sehr gut gelungen. Das Umfeld lässt kreatives Arbeiten zu und die Stunden sind so gebaut, dass sich alle Teilnehmer auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren können.
Katja Prott-Riecken
Bis zur Mittagspause haben die Gruppen jeweils drei Arbeitshypothesen gesammelt und einigen sich anschließend auf jeweils eine. Sie formulieren eine konkrete „Wie können wir…“-Frage, um gezielt Lösungsansätze zu formulieren. Die Lautstärke in der Halle nimmt zu und folgende Fragen entstehen:
Prototypen in der Bildung
Am Ende eines jeden Design Thinking-Prozesses steht die Erarbeitung eines Prototyps. In der freien Wirtschaft kann hier ein konkretes Produkt wie ein Film, eine Softwarelösung, eine logistische Problemlösung oder eine neue Kommunikationsstrategie stehen. Im Bildungskontext ist das schwieriger. Das bruchstückhafte Erschließen eines komplexen Themenfeldes könnte grundsätzlich schon Produkt genug, um in den einzelnen Schulen oder Bildungsinstitutionen interne Lösungen anzustoßen. Im letzten Schritt sind dann auch in Solingen noch Prototypen entstanden – regelrechte Kunstwerke aus Legosteinen, Knete und vielen anderen Utensilien, die die Lösung für die vorher erarbeiteten „Wie können wir“-Fragen darstellen sollen.

Und wie geht es nun weiter? Der Design Thinking-Prozess hat im Kontext des Programms „impakt schulleitung digital“ von Wübben Stiftung und Bezirksregierung Düsseldorf stattgefunden. Alle Beteiligten sind nun am 22. September eingeladen, an der nächsten Masterteam-Sitzung des Programms teilzunehmen.

Die Worte zum Abschluss kommen von Katja Glasmachers, Schulentwicklungsberaterin „impakt schulleitung digital”.

Wir brauchen mehr Treffen und viel mehr Freiräume wie diesen heute hier. Räume, in denen Menschen sich wahrhaftig begegnen und gemeinsam aktiv werden. So erhalten wir neue Perspektiven, Denkanstöße und Impulse, um kreative Lösungen zu entwickeln, Schule aktiv zu gestalten und zu einem lebendigen Lern- und Lebensraum zu machen.
Katja Glasmachers

Unser Video zur Veranstaltung:

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